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Was ist Yoga?

Aktualisiert am 4 Minuten Lesezeit

Yoga ist älter als jede Matte und jeder Kursplan. Wer verstehen will, was in einer Yogastunde an der Ostsee oder im Gemeindesaal passiert, kommt um ein bisschen Geschichte nicht herum. Keine Sorge, es bleibt überschaubar.

Yama1Niyama2Asana3Pranayama4Pratyahara5Dharana6Dhyana7Samadhi8
Die acht Glieder des Yoga nach Patanjali, als Stufen gezeichnet (Zeichnung: Yoga Ostsee)

Ein Wort mit vielen Bedeutungen

Das Sanskritwort „Yoga“ hängt mit der Wurzel yuj zusammen, die sich mit „anspannen“, „anschirren“ oder „verbinden“ übersetzen lässt. Gemeint war ursprünglich weniger eine Turnübung als eine Methode, den unruhigen Geist zu sammeln. In Indien entstanden über viele Jahrhunderte ganz unterschiedliche Schulen, die sich auf dieses Ziel beriefen: philosophische, religiöse, körperbetonte.

Wenn heute in Deutschland jemand „Ich gehe zum Yoga“ sagt, meint er fast immer eine Stunde mit Körperhaltungen (Asanas), Atemübungen und einer Entspannung am Ende. Das ist ein Ausschnitt aus einem viel größeren Gebäude, aber ein guter Einstieg.

Patanjali und die acht Glieder

Der wichtigste klassische Text sind die Yoga-Sutras, die einem Gelehrten namens Patanjali zugeschrieben werden. Wann genau sie entstanden sind, ist umstritten; die Forschung datiert sie grob in die Zeit um die Zeitenwende bis in die ersten Jahrhunderte danach. Die knapp 200 kurzen Merksätze beschreiben Yoga als das Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen des Geistes.

Patanjali gliedert den Weg in acht Stufen, die oft als „Ashtanga“ (acht Glieder) bezeichnet werden:

  • Yama: der Umgang mit anderen, etwa Gewaltlosigkeit und Wahrhaftigkeit
  • Niyama: der Umgang mit sich selbst, etwa Reinheit und Genügsamkeit
  • Asana: die Sitzhaltung, später erweitert zu den vielen Körperhaltungen
  • Pranayama: die Lenkung des Atems
  • Pratyahara: das Zurückziehen der Sinne von äußeren Reizen
  • Dharana: Konzentration auf einen Punkt
  • Dhyana: Meditation, ein anhaltender Fluss der Aufmerksamkeit
  • Samadhi: ein Zustand vollständiger Versenkung

Bemerkenswert: Über Körperhaltungen sagt Patanjali fast nichts. Der bekannteste Satz dazu lautet sinngemäß, die Haltung solle stabil und angenehm sein (sthira sukham asanam, Sutra 2.46). Diese zwei Worte, Festigkeit und Leichtigkeit, sind bis heute ein guter Maßstab für jede Übung.

Hatha Yoga: der Körper rückt in den Mittelpunkt

Erst viel später, im indischen Mittelalter, entstanden die Texte des Hatha Yoga. Die bekannteste Schrift, die Hatha Yoga Pradipika, wird ins 15. Jahrhundert datiert. Hier geht es ausführlich um Körperhaltungen, Reinigungstechniken und Atemübungen, die den Körper auf Meditation vorbereiten sollen.

Fast alle Stile, die heute in Kursprogrammen stehen, sind im weiteren Sinn Hatha Yoga: ruhig gehaltene Haltungen, Atemlenkung, Entspannung. Ein Überblick über die Spielarten steht im Beitrag Yoga-Grundlagen.

Wie das moderne Yoga entstand

Die Praxis, wie wir sie kennen, mit fließenden Abfolgen, Sonnengrüßen und Matten in Reihen, ist größtenteils im 20. Jahrhundert entstanden. Lehrer wie Tirumalai Krishnamacharya in Mysore verbanden traditionelle Haltungen mit Elementen der damaligen Gymnastik. Seine Schüler, darunter B. K. S. Iyengar und K. Pattabhi Jois, brachten ihre Stile in den Westen. Wer mag, findet einen guten Überblick zur Geschichte im Wikipedia-Artikel über Yoga.

Das ist keine Abwertung. Es erklärt nur, warum ein Vinyasa-Kurs so anders aussieht als das, was in den alten Texten steht, und warum es nicht „das eine richtige“ Yoga gibt.

Was eine Yogastunde heute enthält

Eine typische Stunde in Deutschland dauert 60 bis 90 Minuten und folgt grob diesem Ablauf:

  1. Ankommen im Sitzen oder Liegen, ein paar ruhige Atemzüge
  2. Aufwärmen der Wirbelsäule und der Gelenke
  3. Haltungen im Stehen, Sitzen und Liegen, je nach Stil gehalten oder im Fluss
  4. Atemübungen, manchmal auch am Anfang
  5. Endentspannung (Shavasana) von fünf bis zehn Minuten

Wie stark der Schwerpunkt auf Kraft, Beweglichkeit oder Ruhe liegt, hängt vom Stil und von der Lehrkraft ab. Für den Start lohnt sich ein Blick in Yoga für Anfänger.

Yoga und Gesundheit

Yoga wird oft mit großen Heilsversprechen beworben. Gut untersucht ist vor allem, dass regelmäßiges, angeleitetes Üben bei unspezifischen Rückenschmerzen helfen kann und vielen Menschen beim Stressabbau guttut. Das ist viel, aber kein Ersatz für ärztlichen Rat. Wer Beschwerden hat, schwanger ist oder nach einer Operation einsteigen will, spricht vorher mit Ärztin oder Arzt und sagt es der Lehrkraft.

Und was hat das mit der Ostsee zu tun?

Eigentlich nichts, und doch eine Menge. Yoga braucht keinen besonderen Ort. Aber die weite Linie des Horizonts, das gleichmäßige Rauschen und der Wind machen es leichter, das zu üben, worum es Patanjali ging: einen Moment lang nicht an alles gleichzeitig zu denken. Wo das an der Küste gut geht, steht unter Orte an der Ostsee.

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